Hyperbare Sauerstofftherapie verbessert die Herzmuskelfunktion

Einleitung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die weltweit häufigste Todesursache und erfordern daher innovative Begleittherapien. Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) – das Einatmen von 100 % Sauerstoff in einer Druckkammer (typischerweise 1,5–2,0 ATA) – erhöht den Sauerstoffgehalt im Blutplasma um das 10- bis 20-Fache. Dadurch kann Sauerstoff ischämisches und hyperperfundiertes Herzgewebe erreichen, was die physiologische Grundlage für die kardioprotektive Wirkung der HBO bildet.

Wie die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) die Herzfunktion verbessert
HBOT wirkt über verschiedene molekulare Signalwege:
• Entzündungshemmende Modulation – Herunterregulierung von HMGB-1, TLR-4, NFκB und HIF-1α, wodurch systemische und kardiale Entzündungen reduziert werden.
• Angiogenese – Hochregulierung von VEGF und EGF, wodurch die Neubildung von Blutgefäßen und die Reparatur des Herzmuskels gefördert werden.
• Antiapoptotische Effekte – Hemmung des programmierten Zelltods in Kardiomyozyten, wodurch der Herzmuskel bei Ischämie-Reperfusionsschäden geschützt wird.
Diese Mechanismen wirken synergistisch, um die Kontraktilität des Herzens und die gesamte Herzleistung zu verbessern.

Klinische Evidenz: Verbesserung der LVEF
Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) ist ein wichtiger Parameter der Herzpumpleistung. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 im British Journal of Cardiology fasste drei Beobachtungsstudien (195 Patienten mit koronarer Herzkrankheit nach Reperfusion) zusammen. Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) erhöhte die LVEF signifikant um 4,16 % (95 %-KI 0,97–7,34; p = 0,01) im Vergleich zur Kontrollgruppe, ohne die ventrikulären Volumina zu verändern – ein Hinweis auf eine tatsächliche Verbesserung der Kontraktilität.
Beim akuten Myokardinfarkt senkte die Kombination von HBOT und Reperfusion die Kreatinphosphokinase (CPK)-Werte um bis zu 35 % (p = 0,03) und verbesserte gleichzeitig die LVEF (p < 0,05), was direkt eine Reduktion der Myokardschädigung belegt.

Hypertherme Sauerstofftherapie (HBOT) bei Herzinsuffizienz und in der Herzchirurgie
In einer laufenden randomisierten Studie wird bei chronischer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) die Wirksamkeit der HBOT (3 Zyklen à 10 Sitzungen bei 2,0 ATA) zusätzlich zur leitliniengerechten „Neuen Vier Säulen“-Therapie untersucht. Retrospektive Daten bestätigen bereits die Sicherheit und gute Verträglichkeit der HBOT bei Herzinsuffizienzpatienten.
In der Herzchirurgie verbessert die präoperative HBOT-Präkonditionierung die linksventrikuläre Schlagarbeit, reduziert postoperative Myokardschäden, verkürzt die Krankenhausverweildauer und senkt Entzündungsmarker (p<0,05). Diese Vorteile sind besonders wertvoll für Hochrisikopatienten, die sich einer Koronararterien-Bypass-Operation (CABG) oder einer Herzklappenoperation unterziehen.

Weitere kardiovaskuläre Vorteile
HBOT reduziert auch die Häufigkeit und Dauer von ventrikulären Extrasystolen und paroxysmaler Tachykardie und kann neurologische Komplikationen nach einer Ablation von Vorhofflimmern verringern – ein bedeutender Vorteil angesichts des geringen, aber schwerwiegenden Schlaganfallrisikos bei Ablationsverfahren.

Sicherheitsprofil
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) wird im Allgemeinen gut vertragen. Vorübergehendes Mittelohrbarotrauma und vorübergehende Kurzsichtigkeit sind die häufigsten Nebenwirkungen, die sich in der Regel spontan zurückbilden. Schwere pulmonale Sauerstofftoxizität tritt bei Standardprotokollen (≤ 2,0 ATA, ≤ 120 Minuten pro Sitzung) selten auf.

Zusammenfassung
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT) ist eine wissenschaftlich fundierte, nicht-invasive Zusatztherapie, die die Herzfunktion bei verschiedenen kardiovaskulären Erkrankungen verbessert – akutem Myokardinfarkt, chronischer Herzinsuffizienz, perioperativen Herzoperationen und Herzrhythmusstörungen. Metaanalysen zeigen eine Verbesserung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) um 4,16 % sowie eine Reduktion von Schädigungsmarkern und ein günstiges Sicherheitsprofil. Dies macht die HBOT zu einem wertvollen Instrument in der integrativen kardiovaskulären Versorgung.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Spezialisten für hyperbare Medizin.

Referenzen & Weiterführende Literatur
Chen, S., et al. (2025). Hyperbare Sauerstofftherapie bei koronarer Herzkrankheit nach Reperfusion: Eine Metaanalyse der linksventrikulären Funktion. British Journal of Cardiology.
https://bjcardio.co.uk/2025/01/hbot-coronary-artery-disease-meta-analysis/
Heyboer, M., et al. (2025). Hyperbare Sauerstofftherapie: Kardiovaskuläre Mechanismen und klinische Anwendungen. Medical Gas Research, 15(1): 12–22.
https://journals.lww.com/medgasres/fulltext/2025/01000/hyperbaric_oxygen_therapy_in_cardiovascular.3.aspx
Liu, R., et al. (2026). Systematische Übersichtsarbeit zu den kardioprotektiven und entzündungshemmenden Wirkungen der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBOT). Undersea & Hyperbaric Medicine, 53(2): 101–114.
https://www.uhms.org/publications/uhm-journal.html
National Center for Biotechnology Information (NCBI). Hyperbare Sauerstofftherapie bei Herzinsuffizienz – ClinicalTrials.gov ID NCT05823714.
https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT05823714
Undersea and Hyperbaric Medical Society (UHMS). Indikationen für HBOT: Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
https://www.uhms.org/resources/hbot-indications.html

 

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